Koralm Partisanen
Geschichte des Widerstands
Eine performative Lesung über den Widerstand der Partisanen
Lena Chalupka, Lena Pöltl, Gerd Wilfing, Thorsten Zerha, © Marco Pessel, 2025
Theaterzentrum Deutschlandsberg
2025
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Geschichte artikulieren lässt, wenn ihre Spuren brüchig geworden sind. Wie erzählt man von Widerstand, wenn die Quellen fragmentarisch und manchmal widersprüchlich sind? Die Lesung begreift sich als Versuchsanordnung, in der Geschichten auf Geschichte treffen. Es wird keine fertige Wahrheit verkündet. Wir bewegen uns durch Dokumente, Tagebücher, Briefe, amtliche Berichte und mündliche Überlieferungen. Es sind Bruchstücke – Splitter eines Geschehens, das sich nicht zu einem geschlossenen Bild fügen lässt. Warum trotzdem erzählen? Vielleicht, weil das Erzählen selbst ein Akt des Widerstands ist, gegen das Vergessen, gegen die bequeme Eindeutigkeit von Ideologischen Zuordnungen. Stattdessen öffnet sich ein Raum, in dem Vergangenheit als Gegenwart erfahrbar wird: als etwas, das uns betrifft, weil es uns etwas über uns selbst sagt. So versteht sich dieser Abend weniger als Gedenkveranstaltung, denn als Einladung zu einem Gespräch. Es bleibt die Frage: Wie erzählt man von Geschichte, ohne sie zu wiederholen? Wie kann man von Krieg sprechen, ohne ihn zu verklären oder zu moralisieren? Vielleicht gar nicht. Vielleicht ist jedes Sprechen über Gewalt ein Annähern an eine Grenze, hinter der die Sprache versagt. Aber genau dieses Versagen ist wichtig. Es zeigt, dass die Erfahrung von Gewalt sich dem Begreifen entzieht – dass sie eine Wunde in der Sprache selbst hinterlässt. Diese Lesung ist ein Kommentar zur Gegenwart. In einer Zeit, in der Geschichtsbilder zu- nehmend vereinfacht und politisch instrumentalisiert werden, wird der Versuch gestartet, die Ambivalenz von persönlicher Erzählung und größeren politischen Zusammenhängen nebeneinander zu stellen. Erinnerung ist nie neutral, jedes Erzählen ist zugleich ein Auswählen, Auslassen, Positionieren.
- Kozept / Idee
- Lukas Michelitsch
- mit
- Lena Chalupka
Lena Pöltl
Gerd Wilfing
Thorsten Zerha - Technik
- Francis Kügerl
- Regie-Assistenz
- Laura-Marie Kumpitsch
- Foto
- Marco Pesse
koralm_partisanen_programmbrief.pdf
„In narrativen Fragmenten hinterlässt die performative Lesung immer wieder Betroffenheit und hebt ohne Heroisierung die Widerstandskämpfer aus landläufig negativer Konnotation. Eine außergewöhnliche Arbeit!“
„Vielleicht ist genau das die wahre Stärke der Inszenierung, weil das Erzählen selbst ein Akt des Widerstands ist, gegen das Vergessen, gegen die bequeme Eindeutigkeit von ideologischen Zuordnungen.“