Koralm Partisanen
Geschichte des Widerstands
Eine performative Lesung über den Widerstand der Partisanen
Versuch des Verstehens
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Geschichte artikulieren lässt, wenn ihre Spuren brüchig geworden sind. Wie erzählt man von Widerstand, wenn die Quellen fragmentarisch und manchmal widersprüchlich sind? Die Lesung begreift sich als Versuchsanordnung, in der Geschichten auf Geschichte treffen. Es wird keine fertige Wahrheit verkündet. Wir bewegen uns durch Dokumente, Tagebücher, Briefe, amtliche Berichte und mündliche Überlieferungen. Es sind Bruchstücke – Splitter eines Geschehens, das sich nicht zu einem geschlossenen Bild fügen lässt. Warum trotzdem erzählen? Vielleicht, weil das Erzählen selbst ein Akt des Widerstands ist, gegen das Vergessen, gegen die bequeme Eindeutigkeit von Ideologischen Zuordnungen. Stattdessen öffnet sich ein Raum, in dem Vergangenheit als Gegenwart erfahrbar wird: als etwas, das uns betrifft, weil es uns etwas über uns selbst sagt. So versteht sich dieser Abend weniger als Gedenkveranstaltung, denn als Einladung zu einem Gespräch. Es bleibt die Frage: Wie erzählt man von Geschichte, ohne sie zu wiederholen? Wie kann man von Krieg sprechen, ohne ihn zu verklären oder zu moralisieren? Vielleicht gar nicht. Vielleicht ist jedes Sprechen über Gewalt ein Annähern an eine Grenze, hinter der die Sprache versagt. Aber genau dieses Versagen ist wichtig. Es zeigt, dass die Erfahrung von Gewalt sich dem Begreifen entzieht – dass sie eine Wunde in der Sprache selbst hinterlässt. Diese Lesung ist ein Kommentar zur Gegenwart. In einer Zeit, in der Geschichtsbilder zu- nehmend vereinfacht und politisch instrumentalisiert werden, wird der Versuch gestartet, die Ambivalenz von persönlicher Erzählung und größeren politischen Zusammenhängen nebeneinander zu stellen. Erinnerung ist nie neutral, jedes Erzählen ist zugleich ein Auswählen, Auslassen, Positionieren.
Idee & Regie
Lukas Michelitsch
Mit
Lena Chalupka
Lena Pöltl
Gerd Wilfing
Thorsten Zerha
Technik
Francis Kügerl
Regie-Assistenz
Laura-Marie Kumpitsch
Foto
Marco Pesse
"Licht in dunkle Geschichte(n)
Ein junges Team erinnert an fast vergessenen Nazi-Widerstand. Es müssen etliche Hundert gewesen sein in der „Kampfgruppe Avantgarde“, später „Kampfgruppe Steiermark“. Bunt zusammengewürfelt aus Slowenien, Spanien, Russland und Österreich. Mit Erfahrungen aus dem spanischen Bürgerkrieg, Lehrzeit in der Roten Armee oder schlicht aus Arbeiter- und Handwerkerfamilien. Auch im christlich-sozialen Lager taten sich Hitler-Gegner wie Josef Krainer sen. hervor. Eines einte sie alle: Sie riskierten ihr Leben im Widerstand gegen den Nazi-Terror.
Das junge Team Lena Chalupka, Lena Pöltl, Gerd Wilfing und Thorsten Zerha vom Theaterzentrum Deutschlandsberg erinnert unter der profunden Regie des Ideengebers Lukas Michelitsch an die „Koralm Partisanen“ und holt die als Landesverräter Geächteten, von den Alliierten zu Privatpersonen Diskriminierten und von Österreichs Nachkriegspolitik Ausgegrenzten aus dem toten Winkel der Geschichte. In narrativen Fragmenten hinterlässt die performative Lesung mit viel Papier und Tafelkreide immer wieder Betroffenheit und hebt ohne Heroisierung die Widerstandskämpfer aus landläufig negativer Konnotation. Eine außergewöhnliche Arbeit!"
"(...) Die Inszenierung fühlt sich wie ein Zusammensetzen eines Puzzles an. Es wird keine fertige Wahrheit verkündet, es gibt keine moralischen Wertungen, es ist eine Annäherung anhand von Tagebüchern, Briefen, amtlichen Berichten und mündlichen Überlieferungen. Die kluge Regie von Lukas Michelitsch liefert Bruchstücke, die sich zwar zusammenfügen lassen, aber es bleiben auch leere Stellen und Widersprüche. Und doch entsteht ein sprachliches Denkmal, auch wenn es brüchig und unvollkommen ist. Vielleicht ist genau das die wahre Stärke der Inszenierung, weil das Erzählen selbst ein Akt des Widerstands ist, gegen das Vergessen, gegen die bequeme Eindeutigkeit von ideologischen Zuordnungen. Stattdessen öffnet sich ein Raum, in dem Vergangenheit als Gegenwart erfahrbar wird: als etwas, das uns betrifft, weil uns etwas über uns selbst sagt."